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	<title>irulandotnet &#187; Literatur</title>
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		<title>Tom Liehr &#8211; Pauschaltourist</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 19:18:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Protagonist Nikolas arbeitet in einem Verlag für Reisezeitungen. Eigentlich kann er mehr, er darf sich aber nur Kreuzworträtsel ausdenken und auf der Bürofeier Champagner ausschenken. In seiner Beziehung läuft es auch nicht mehr ganz rund, oder besser gesagt: Es läuft so vor sich hin, was ja meist viel schlimmer ist. Ergebnis: Frustration. Irgendwann fasst er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Protagonist Nikolas arbeitet in einem Verlag für Reisezeitungen. Eigentlich kann er mehr, er darf sich aber nur Kreuzworträtsel ausdenken und auf der Bürofeier Champagner ausschenken. In seiner Beziehung läuft es auch nicht mehr ganz rund, oder besser gesagt: Es läuft so vor sich hin, was ja meist viel schlimmer ist. Ergebnis: Frustration. Irgendwann fasst er sich auf einer Redaktionskonferenz ein Herz und merkt an, das Magazin solle sich doch mehr auf die Zielgruppe fixieren, die man im Moment noch nicht erreicht: den Großteil der Deutschen, die im es sich im Urlaub auch mal so richtig gemütlich machen und sich um nichts kümmern will – die Pauschaltouristen. Chef schaut erst verdutzt und dann begeistert und ernennt Nikolas zu dem Redakteur, der innerhalb weniger Wochen mehrer Länder bereisen und verdeckt Cluburlaub mit all inclusive testen soll. Mit dabei: Nina, die Hasskollegin Nikolas, die passenderweise auch noch Flugangst hat. </p>
<p>Bis hierher klingt das alles sehr pauschal, vorhersehbar und gähn, aber so wie mein Satz anfängt, kann man sich denken, dass ein ABER kommt. Denn das Buch ist trotz der Geschichte, die schon tausend Mal gehört und erzählt wurde, so verdammt lustig, dass ich mehrmals laut lachen musste. Besonders an dieser Stelle: </p>
<blockquote><p>&#8220;Die Karten waren in einem Kindergartendeutsch verfasst, also offenbar aus dem Spanischen ins Englische und von dort ins Deutsche übersetzt worden, und zwar von einem Menschen, der keine der drei Sprachen auch nur annähernd beherrschte. Wir amüsierten und fünf Minuten lang über den &#8220;Huchentucke&#8221;, was, wie wir vermuteten, von Kannibalen zubereitete, verängstigte Schwule sein mussten, bis Jens auf die Idee kam, dass damit nur &#8220;Hühnchenstücke&#8221; gemeint sein könnten, also Chicken Wings oder Frikassee.&#8221;</p></blockquote>
<p>Überraschend ist das Buch im Verlauf seiner Geschichte durchaus nicht, dabei ist es aber unterhaltsam, was vor allem daran liegt, dass hier jedes Klischee über Deutsche im Urlaub angesprochen und erfüllt wird. Und man kann sich ja am besten darüber amüsieren, was man selbst nie machen würde: Handtüchter auf Liegen legen und so. Diesen Menschen möchte ich das uch schenken, oder zumindest das ausprobieren, was Nikolas und Nina machen &#8211; einfach die Handtücher zusammenrollen und weglegen und dann den Sturm der Empörung an sich abperlen lassen. Ach was freu ich mich auf meinen all inclusive-Urlaub.</p>
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		<title>Paolo Giordano &#8211; Die Einsamkeit der Primzahlen</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Nov 2009 18:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So schlimm es auch ist, aber meist sind die unglücklichen Liebesgeschichten, in denen es einfach nicht sein soll, die schönsten. Wenn dann auch noch eine Knallermetapher ohne jeglichen Schleim und Figuren, die authentisch und nicht überperfekt sind dazukommen, dann hat man vielleicht &#8220;Die Einsamkeit der Primzahlen&#8221; von Paolo Giordano vor sich. Kurz zur Geschichte: Alice [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So schlimm es auch ist, aber meist sind die unglücklichen Liebesgeschichten, in denen es einfach nicht sein soll, die schönsten. Wenn dann auch noch eine Knallermetapher ohne jeglichen Schleim und Figuren, die authentisch und nicht überperfekt sind dazukommen, dann hat man vielleicht &#8220;Die Einsamkeit der Primzahlen&#8221; von Paolo Giordano vor sich. Kurz zur Geschichte: Alice und Mattia sind Außenseiter; jeder auf seine ganz eigene Art und Weise. Mattia verbirgt ein Geschichte aus seiner Kindheit, die ihn sein ganzes Leben verfolgen und beeinflußen wird. Auch Alice hat Traumatisches in ihrer Kindheit erlebt, was dafür sorgt, dass sie sich von ihrer Familie immer weiter entfernt und auch von ihrem Körper &#8211; sie wird magersüchtig. Durch einen Zufall lernen sich die beiden kennen, werden Freunde, aber nie mehr: obwohl sie füreinander geschaffen sind, was der Leser definitiv weiß, während es die beiden nur erahnen. Sie scheitern auf voller Linie, an gesellschaftlichen Konventionen, der eigenen Angst, Mißverständnissen und vielleicht auch am Leben selbst. Da gibt es nur diesen einen Kuss, der ihnen immer im Gedächtnis bleiben wird, weil er einen Geschmack auf das gab, was da hätte sein können. </p>
<p>Dieses hochtragische Scheitern beschreibt Giordano in einer sehr einfach gehaltenen Sprache ohne großen Schnickschnack, verkommt dabei aber nicht zum banalen Abhaken von Lebensgeschichten und platter Figurenkonstruktion. Eher scheint es mir so, als ob er durch diese Sprache die Figuren noch mehr zum Leben erweckt, weil er näher dran ist. Alice und Mattias Probleme sind vielschichtig und Giordano übernimmt überhaupt nicht den Versuch sie bis ins letzte aufzudröseln und aufzuschlüsseln. Das würde auch niemandem gelingen, denn Verhaltensmuster und Lebenswege sind von so vielen Faktoren beeinflußt, dass man nie aufmachen könnte, welcher jetzt für was verantwortlich ist. Trotzdem begreift man die Figuren. Nachvollziehen kann man ja oftmals das eigene Verhalten nicht, wie sollte man dann das von Romanfiguren? </p>
<p>Am schönsten ist aber die Stelle, die den Titel erklärt, in der es also um <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Primzahl">Primzahlenen</a> geht. Es gibt aber in der Mathematik ein spezielles Phänomen die Primzahlzwillinge:</p>
<blockquote><p>&#8220;Paare von Primzahlen, die nebeneinander stehen oder genauer, fast nebeneinadner, denn zwischen ihnen befindet sich immer noch eine gerade Zahl, die behindert, dass sie sich tatsächlich berühren. Zahlen wie 11 und 13, wie 17 und 19 oder 41 und 43. Bringt man die Geduld auf, weiter und weiter zu zählen, stellt man fest, dass solche Pärcehn immer seltener werden. Man stößt auf immer weniger Primzahlen [...] und es beschleicht einen das Gefühl, dass die Pärchen, die einem bis dahin begegnet sind, rein zufällig zusammenstanden und das es ihr eigentliches Schicksal ist allein zu bleiben. Aber dann wenn man schon aufgegeben hat und nicht mehr weiterzählen will, stößt man aufein weiteres Pärchen von Zwillingen, die sich eng umschlungen, aneinander festhalten. Mathematiker sind davon überzeugt, dass man egal wie weit man fortschreitet, immer wieder solchen Zwillingen begegnen wird, obwohl niemand sagen kann, wo sie stecken, bis man sie tatsächlich gefunden hat.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das ist eine so wunderbare, klare und schnörkellose Metapher für die Situation, in der Mattia und Alice stecken und die unerfüllte Liebe als solches. </p>
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		<title>Axel Simon – Tatütata für Peter Sputnik</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 19:06:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Axel Simons Roman &#8220;Tatütata für Peter Sputnik&#8221; läßt dem Titel nach ein Kinderbilderbuch erwarten, beschäftigt sich aber mit einem der Lieblingsthemen der Literatur überhaupt: der Suche des Protagonisten nach sich selbst. Dieser ist der auch schon im Titel vorkommende Peter Sputnik. Sputnik ist Busfahrer und ein sehr besonnener, gemütlicher Typ. Er fühlt sich wohl in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Axel Simons Roman &#8220;Tatütata für Peter Sputnik&#8221; läßt dem Titel nach ein Kinderbilderbuch erwarten, beschäftigt sich aber mit einem der Lieblingsthemen der Literatur überhaupt: der Suche des Protagonisten nach sich selbst. Dieser ist der auch schon im Titel vorkommende Peter Sputnik. Sputnik ist Busfahrer und ein sehr besonnener, gemütlicher Typ. Er fühlt sich wohl in der Kleinstadt, in der er lebt, findet es total okay jeden Tag die gleiche Route in seinem „2er“, also der Buslinie, abzuzockeln. Jeden Tag steigen die gleichen Leute ein und aus und nie passiert irgendwas überraschendes. Sein ganzer Stolz, neben seinen Bus, den er in- und auswendig kennt, ist, dass er so sanft bremsen kann, dass man es kaum bemerkt. Jeden Abend nach der Arbeit zieht Sputnik seine Abendwindjacke an. Die sieht genauso aus, wie die, die er tagsüber trägt, hat bloß eine andere Farbe. Dann geht er noch einen Krokanteisbecher in der Eisdiele essen. Das macht er nicht nur, weil es ihm so gut schmeckt, sondern auch weil Frollein Gitti da arbeitet &#8211; Peter Sputniks Schwärmerei. Jeden Abend will er ihr das auch sagen, traut sich aber nie. Was nach Kleinstadtlangeweile klingt, bekommt einen ganz eigenen Drive, als der Leser erfährt, dass Sputnik nicht nur ein schnöder Busfahrer ist, sondern eigentlich Superheld. Kann fliegen, ist stark und kann super Probleme lösen und Leute besiegen, die die Welt zerstören wollen. Er hat bloß keine Lust dazu. Das ist aber nicht wirklich angebracht, denn der böse „V“ will die Welt zerstören und die einzige Hoffnung der Mächtigen ist eben Peter Sputnik. Der wehrt sich aber mit Händen und Füßen, verweist an andere fähige Helden und setzt die Bittsteller vor die Tür. Dann kommt der Zufall bzw. der dramaturgische Kunstgriff ins Spiel: Peter Sputnik verliert seinen Job und auch Frollein Gitti, denn er hat sich dann doch getraut und ihr seine Gefühle gestanden und sie weist ihn ab. Dann macht Peter Sputnik sich auf in den Kampf gegen &#8220;V&#8221;. Dabei lernt viele neue Menschen kennen, die sehr wichtig in seinem Leben werden. Da ist zum Beispiel der Kunstdieb Seidensprung, der auf der Flucht vor seinen Auftraggebern ist, Charlie die einarmige Pilotin und die Forscherin Brenda Meaks. Sputnik muss lernen sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden und dass er die Steine, die er ins Rollen gebracht hat, nicht ganz so sanft abbremsen kann, wie seinen Bus.</p>
<p>Zu Beginn zieht sich die Geschichte um Peter Sputnik. Das ist aber durchaus gewollt, denn so bekommt man als Leser ein Gefühl für die Geschwindigkeit in Sputniks Kleinstadt, lernt ihn besser kennen. Außerdem werden diese Kapitel immer wieder gebrochen von den Kapiteln, die im &#8220;Zentrum der Macht&#8221; spielen und in der die Gefahr, die &#8220;V&#8221; für die Menschheit bedeutet, erklärt wird. Dann dreht das Buch voll auf und es geht Schlag auf Schlag mit den obskuren Ideen und der Handlung. Meine Lieblingsfigur übrigens Hartmann – ein Huhn – das unsterblich in Charlie, verliebt ist und total auf Jazz steht und immer mit den Füßen und den Krallen Jazzschlagzeugrhythmen trommelt. Tolle Idee! Man muss auf überdrehte und total abstruse Ideen stehen, sich ein bißchen reinfuchsen und dann wird man das Buch lieben. Versprochen!</p>
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		<title>Brendan Halpin &#8211; Song About You</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 17:34:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Einen Song geschrieben zu bekommen kann toll sein, wenn es einer, wie dieser ist:</p>
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<p>Kann aber auch ganz anders laufen, wie bei den Protagonisten Philippa und Mark in Brendan Halpins Roman &#8220;Song About You&#8221;. Philippa betrügt ihren Freund, der daraufhin einen bitterbösen Song schreibt und Marks Freundin läßt sich in einem Song darüber aus, dass Mark immer viel zu früh kommt. Bis hierhin noch nicht schlimm, das ändert sich aber, als die beiden Songs zu Hits werden. Jeder singt sie, sie laufen ständig im Radio und so sind die die beiden ständig mit ihren Unzulänglichkeiten konfrontiert. &#8220;Song About You&#8221; ist aber kein Musiknerdbuch, wie &#8220;High Fidelity&#8221;, sondern die Songs sind nur der Auslöser, die das Leben der Hauptfiguren aus der Bahn werfen und der somit dem Leser ermöglichen mitzuverfolgen, wie sie damit umgehen. Dabei ist der Song nur eine schlichte Metapher für den Punkt im Leben, an dem man von einem Menschen enttäuscht und so stark verletzt wird, dass man sich immer daran erinnert. Manche scheitern an diesem Punkt, andere macht es stärker. Mark und Philippa sind irgendwo dazwischen und das macht diese Figuren so lebendig und nachvollziehbar. Trotzdem ist &#8220;Song About You&#8221; nicht viel mehr als nette Unterhaltung, die ohne Zweifel gut geschrieben ist und den nötigen Drive besitzt, dass man dranbleibt. Für mich ein Buch, dass man ohne schlechtes Gewissen weiter empfehlen kann, bei dem es mir aber auch nicht am Herzen liegt, ob es dem anderen gefällt. Schade.</p>
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		<title>Anthony McCarten &#8211; Englischer Harem</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 18:17:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Vorteil in einer ziemlich langweiligen Stadt zu leben ist: Man hat mehr Zeit zum lesen, Musik hören und DVDs gucken. Und wenn dann noch der Herbst beginnt, muss man nicht mal mehr ein schlechtes Gewissen haben, wenn man drinnen abhängt. Zum Inhalt von Anthony McCartens Roman &#8220;Englischer Harem&#8221; sei eines vorweg geschickt: Es fällt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Vorteil in einer ziemlich langweiligen Stadt zu leben ist: Man hat mehr Zeit zum lesen, Musik hören und DVDs gucken. Und wenn dann noch der Herbst beginnt, muss man nicht mal mehr ein schlechtes Gewissen haben, wenn man drinnen abhängt.</p>
<p>Zum Inhalt von Anthony McCartens Roman &#8220;Englischer Harem&#8221; sei eines vorweg geschickt: Es fällt mir ähnlich schwer die Geschichte so zu beschreiben, dass ich ihr gerecht werde und dass es nicht total banal und bescheuert klingt. Dasselbe Problem habe ich auch, wenn ich den Inhalt der Serie &#8220;Heroes&#8221; zusammenfassen soll. Eigentlich ist das eine Serie über Menschen mit Superkräften, was im ersten Moment seltsam klingt und an die schlimme TV-Produktion von Batman aus den 80ern erinnert, der Serie aber nicht gerecht wird und auch nicht wirklich treffend ist, wie Leute, die sie kennen wissen. Bei McCartens Roman wäre meine Beschreibung: Junges Mädchen verliebt sich in alten Mann, der schon zweimal verheiratet ist. Ich sehe die kritischen Gesichter und gerümpften Nasen schon vor mir und hole deswegen weiter aus. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der mittelalte persische/iranische Restaurantbesitzer Sam und das junge englische Mädchen Tracy. Sie lebt in einer Traumwelt, die sie wegbringt aus der muffigen Realität, in der sie als Arbeiterkind in einem Hochhaus, das so baufällig ist, dass sich die Wände in alle vier Himmelsrichtungen auf einmal neigen, aufwächst. Er ist mit zwei Frauen gleichzeitig verheiratet, mit beiden aus Mitleid und ist seinen Frauen höchstens auf freundschaftlicher und geistiger Ebene nah, nicht aber körperlich. Tracy ist fasziniert von diesem Mann, seiner Lebensgeschichte, seinen Ansichten und seinem Wesen. Sie verlieben sich ineinander und geben einander das, was sie nie bekommen haben: Tracy bekommt eine Aussicht auf eine Zukunft, die sie sich nie hätte vorstellen können, fernab vom 23. Stock im Hochhaus, allerdings auch jenseits der Moralvorstellungen ihrer Eltern und der Gesellschaft. Sam bekommt die Neugier, Aufmerksamkeit und die Leidenschaft der jungen Tracy. Natürlich ist die Konstellation drei Frauen und ein Mann undenkbar und stößt nicht nur dem Gesetz sauer auf, so dass Tracys Traum zu enden droht. </p>
<p>&#8220;Englischer Harem&#8221; zeichnet ein Bild von Beziehungen und menschlichem Miteinander, dass für westlich genormte Wertvorstellungen im ersten Moment unvorstellbar erscheint, in der Geschichte aber Sinn ergibt. Die Personen finden aufgrund ihrer ganz eigenen Lebensgeschichte zueinander. Der Roman ist sicherlich kein Plädoyer für Polygamie, sondern für Toleranz gegenüber anderer Lebensentwürfe. Das kommt ungewöhnlich elegant, gar nicht plump und ohne erhobenen Zeigefinger daher. Auch ist der Roman in keiner Weise naiv oder blauäugig, denn natürlich scheitern die Protagonisten in einer gewissen Weise, aber nicht ohne Spuren beim Leser hinterlassen zu haben. Einmal genauer hinschauen bevor man mit dem Kopf schüttelt und andere Menschen und deren Leben abtut, denn vielleicht ist es für sie ja genau das richtige. Dazu ist dieses Buch fantastisch geschrieben, lässt einen mit den Figuren lachen, wütend sein aber auch weinen. </p>
<p>Meine Empfehlung also: Lesen und dazu Tasse Tee und draußen den Herbstwind die Blätter (in urbanen Gegenden wahlweise Müll oder Plastiktüten) herumwirbeln lassen.</p>
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		<title>Joey Goebel &#8211; Heartland</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Aug 2009 18:44:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Trotz meines Jobs beim Radio bin ich ein sehr visueller Mensch. So kaufe ich Bücher immer nach dem Cover: Doofes Cover und das Buch wird nicht gekauft, es sei denn ich bekomme es von Freunden empfohlen. Die zweite Regel beim Buchkauf für mich: Alles, was im Diogenes Verlag erschienen ist, kann unangelesen gekauft werden. Weiterer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Trotz meines Jobs beim Radio bin ich ein sehr visueller Mensch. So kaufe ich Bücher immer nach dem Cover: Doofes Cover und das Buch wird nicht gekauft, es sei denn ich bekomme es von Freunden empfohlen. Die zweite Regel beim Buchkauf für mich: Alles, was im Diogenes Verlag erschienen ist, kann unangelesen gekauft werden. Weiterer Beweis für meine Theorie ist Joey Goebel. </p>
<p><img alt="" src="http://farm1.static.flickr.com/107/279135716_a8f64424e1.jpg" class="alignnone" width="500" height="334" /></p>
<p>Der Amerikaner, noch keine 30 Jahre alt, schafft das, was bis jetzt nur der John Irving und T.C. Boyle bei mir geschafft haben: 300 Seiten und mehr am Stück lesen und den Wunsch, dass das dieses Buch nie enden möge. In seinem dritten Roman &#8220;Heartland&#8221; geht es um Blue Gene, der eigentlich Eugene heißt, der so white trash ist, wie man es sich vorstellt. Er lebt in einem Wohnwagen in einer Trailersiedlung, trägt Vokuhila, schneidet die Ärmel seiner T-Shirts ab, damit man seine Tattoos, unter anderem einen Weißkopfseeadler, sieht, hat in einem Wal Mart gearbeitet und schlägt sich mit Verkäufen seiner Spielfigurensammlung auf einem Flohmarkt durch. Dabei kommt Blue Gene aus einer der besten Familien seines Heimatortes Bashford. Zu dieser hat er aber seit Jahren keinen Kontakt mehr, bis eines Tages seine Mutter auftaucht und ihn zu einem Familienessen überredet. Natürlich nicht ohne Hintergedanken; Blue Gene soll seinen großen Bruder John beim Wahlkampf unterstützen. Bei seiner Kandidatur für den Kongress ist sich John der Stimmen der High Society sicher, aber das Gros der Wahlberechtigten sind normale Leute, die John nicht leiden können. Diesen Wählerkreis soll Blue Gene John erschließen. Blue Gene läßt sich breitschlagen und gerät zwischen die Stühle. Einerseits will er sein eigenes Leben leben, was nichts mit den Vorstellungen seiner Familie zu tun hat, andererseits fühlt er sich verpflichtet. Das geht auch nur kurz gut, bis Blue Gene tief in die gut behüteten Geheimnisse seiner Familie eintaucht.</p>
<p>Begeistert hat mich an diesem Roman mit welch einfachen Mitteln Goebel es schafft seine Figuren so klar und lebendig zu zeichnen. Die Psychologie hinter den Figuren wirkt in keinem Moment konstruiert oder auf dem Reißbrett entworfen. Trotz der einfach gehaltenen Sprache und der Dialoglastigkeit ist &#8220;Heartland&#8221; keinesfalls banal, denn die Geschichte ist mit einer unglaublichen Herzenswärme erzählt, die nie ins kitschige driftet. Und dann ist da dieser Witz, die Schlagfertigkeit der Figuren und der grundsymphatische Held Blue Gene. All das schafft John Irving mittlerweile leider nicht mehr, aber dafür hab ich ja jetzt Joey Goebel.</p>
<p>Ein abschließendes Wort noch zum Titel: Im Original heißt der Roman &#8220;Commonwealth&#8221;. Das ist das County, in dem John kandidiert. Der deutsche Titel hat außer dem Bezug zum Lebensentwurf Blue Genes keinerlei Bezug zur Geschichte.</p>
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		<title>Spinner</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 19:46:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Benedict Wells hat mich dieses Jahr begeistert. Sein Debütroman &#8220;Becks letzter Sommer&#8221; ist ein literarisches Roadmovie, voller Drive, unterhaltsam ohne seicht zu sein. Beck&#8217;s Job als Musiklehrer sollte eigentlich nur eine Übergangslösung sein, bis es mit seiner eigenen Band &#8220;Kopfgeburt&#8221; zum großen Durchbruch kommt. Wie das aber mit Übergangslösungen so ist, oft werden sie zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Benedict Wells hat mich dieses Jahr begeistert. Sein Debütroman &#8220;Becks letzter Sommer&#8221; ist ein literarisches Roadmovie, voller Drive, unterhaltsam ohne seicht zu sein. Beck&#8217;s Job als Musiklehrer sollte eigentlich nur eine Übergangslösung sein, bis es mit seiner eigenen Band &#8220;Kopfgeburt&#8221; zum großen Durchbruch kommt. Wie das aber mit Übergangslösungen so ist, oft werden sie zur endgültigen und man hängt dem Lebenstraum nach, ohne ihn jemals zu erfüllen. So auch bei Beck. Erst der neue Schüler Rauli erinnert ihn daran, was er mit seinem Leben anfangen wollte. Beck versucht mit oder durch Rauli seinen Traum zu verwirklichen und begibt sich auf eine Reise, die dann doch, wie Übergangslösungen auch, nicht dahin führen, wo man hin will.</p>
<p>Jetzt ist der Nachfolger &#8220;Spinner&#8221; erschienen, der eigentlich kein Nachfolger ist, sondern zeitgleich mit &#8220;Becks letzter Sommer&#8221; entstand. Hier geht es wieder um das Scheitern eines Lebenstraums. Jesper ist nach Berlin gekommen um zu schreiben. Es soll ein Roman werden, der seinesgleichen sucht. Über 1000 Seiten hat Jesper schon geschrieben, meist betrunken, ohne Ziel und roten Faden. Dabei hat er sich in seiner Berliner Kellerwohnung eingebuddelt, hat kaum noch soziale Kontakte. Der so mutig scheinende Plan nach Berlin zu ziehen und der Traum Schriftsteller zu werden, wird zur Falle. Jesper bekommt nichts auf die Kette, scheut sich vor jeder noch so kleinen Entscheidung, aber Schuld sind immer die anderen. Dann beginnt eine Woche, die Jespers Leben auf den Kopf stellt. Er verliebt sich, lernt seine Freunde neu kennen und am Schluss auch sich selbst. Auch diese Geschichte ist rasant erzählt; im Stil sehr amerikanisch, ein wenig John Irving, Paul Auster-like. Und auch wenn der Text hier und da etwas holprig und konstruiert erscheint, gibt es doch immer wieder tolle Stellen, die Bilder im Kopf erzeugen, die ungewöhnlich sind. Eine davon: &#8220;Es war ein wunderschöner Moment, wie wenn man mit seiner Hand durch eiskaltes und klares Wasser fährt.&#8221; </p>
<p>Benedict Wells ist der jüngste Autor beim Diogenes Verlag. Neben diesen beiden Büchern ein Grund, dass ich heute jobmäßig ein Interview mit ihm geführt habe. In erster Linie sollte es um seine Bücher gehen. Aber immer wieder sind wir während des Gesprächs abgedriftet, haben uns darüber unterhalten, dass John Irving&#8217;s große Zeit vorbei ist und ob man als Schriftsteller die Mädels auch so abgreifen kann, wie Musiker. Antwort ist nein: Interesse sei zwar kurz da, aber schreiben sei dann doch nicht so sexy für die Mädels. </p>
<p> Nach dem Interview hatten wir noch ein wenig Zeit und haben uns gegenseitig Musik empfohlen. Ich ihm Zoot Woman, die er noch nicht kannte:</p>
<p><span class="youtube">
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</span></p>
<p>Er mir Patrick Watson, wiederrum mir unbekannt, aber wahnsinnig toll:</p>
<p><object width="500" height="314"><param name="movie" value="http://d.yimg.com/static.video.yahoo.com/yep/YV_YEP.swf?ver=2.2.40" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="AllowScriptAccess" VALUE="always" /><param name="bgcolor" value="#000000" /><param name="flashVars" value="id=v217227490&#038;vid=5084241&#038;lang=en-us&#038;intl=us&#038;thumbUrl=http%3A//d.yimg.com/ec/image/v1/video/217227490%3Bsize%3D385x231&#038;embed=1" /><embed src="http://d.yimg.com/static.video.yahoo.com/yep/YV_YEP.swf?ver=2.2.40" type="application/x-shockwave-flash" width="500" height="314" allowFullScreen="true" AllowScriptAccess="always" bgcolor="#000000" flashVars="id=v217227490&#038;vid=5084241&#038;lang=en-us&#038;intl=us&#038;thumbUrl=http%3A//d.yimg.com/ec/image/v1/video/217227490%3Bsize%3D385x231&#038;embed=1" ></embed></object></p>
<p>Und irgendwie finde ich es stimmig, wenn man zur Lektüre von &#8220;Spinner&#8221; auch ein wenig Patrick Watson hört. Passt. </p>
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		<title>Packende Amseln</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 18:17:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Aufgrund meines Jobs in den so-called Medien, der an den meisten Tagen mit einem Kommunikationsaufkommen, das selbst mich schafft, zusammenhängt, find ich Ruhe um mich haben und nichtlabern müssen in letzter Zeit viel besser als noch vor zwei Jahren. Dies führt dazu, dass ich mich gerne mal aus den um sich selbst kreisenden und toll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aufgrund meines Jobs in den so-called Medien, der an den meisten Tagen mit einem Kommunikationsaufkommen, das selbst mich schafft, zusammenhängt, find ich Ruhe um mich haben und nichtlabern müssen in letzter Zeit viel besser als noch vor zwei Jahren. Dies führt dazu, dass ich mich gerne mal aus den um sich selbst kreisenden und toll findenden Szene ausgliedere und Wochenenden und freie Tag abhängend mit Buch verbringe. Das führt mich dazu, dass ich den Leser in sporadischen Abständen mit Buchempfehlungen belästigen werde. Ich verspreche allerdings, dass es nur die Art von Büchern sein werden, die mich frei nach Goethe zum Himmel hoch jauchzen oder zu Tode betrübt zurücklassen. Dabei wird es sowohl um aktuelle Bücher, alte Schinken und Bücher, die mein Job mit sich bringt gehen.</p>
<p>Soviel zum Plan. Jetzt zur Umsetzung.</p>
<p>Nachdem John Updike vor kurzem verstarb, waren seine Bücher in der Buchhandlung um die Ecke verfügbar. Da Updike schon lange auf meiner imaginären Noch-zu-lesen Liste stand, habe ich nach &#8220;Hasenherz&#8221; &#8220;Die Hexen von Eastwick&#8221; gelesen. Ich muss gestehen, dass mir bis dahin nicht klar war, dass der Film auf einem Roman basiert. Ich mag John Updike&#8217;s langsame Erzählweise, die Ereignisse, die viele andere Autoren ausschlachten würden, ausklammert und sich auf das zu großen Teilen auf das Innenleben der Figuren konzentriert. Dazu kommen Sätze wie &#8220;Hinter den immer grauer werdenden, rautenförmigen Scheiben packten Amseln lärmend den Tag ein, in die Reisetasche der Dämmerung.&#8221; Wahnsinn! Wenn ich Schriftzüge als Raumdekoration nicht so albern und angeberisch fände, würde dieser über meinem Sofa stehen. </p>
<p>Ich geh jetzt die Amseln beim Dämmerung einpacken beobachten. </p>
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