irulandotnet

Wenn du dich dann positiv entscheiden solltest

Ich könnte mir selbst einen Arschtritt verpassen: Einerseits für meine Lethargie und Unmut bezüglich Entscheidungen und Nachfragen, andererseits für mein Selbstbewußtsein, das, wenn es mal gebraucht wird, eine Staubwolke hinterläßt und sich verpisst, was bei meinem Gegenüber meist den Eindruck der Arroganz hinterläßt. Die beiden Sachen hängen aber nicht direkt zusammen und ich will erst mal nur über ersteres sprechen. Grundsituation ist folgende: Meine Mitbewohnerin will ausziehen, am liebsten in zwei Wochen. Warum? Frag doch noch mal nach, wenn ich mir keinen Tritt mehr wegen Grund eins verpassen will. Ich rede mir ein, dass es etwas mit der anderen “supergeilen” Wohnung zu tun hat. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Ich wohn gerne alleine. Nun will sie natürlich die 3 Monate Kündigungsfrist umgehen, bzw. die Zahlung einer doppelten Miete und schleppt irgendwelche potentiellen Nachmieter an, die ich dann begutachten muss. Jetzt ist die Entscheidung, wer mich demnächst mit ohne Make-Up und Grusel-aus-dem-Bett-Haaren sehen darf natürlich eine sensible und sollte wohl überlegt sein. Zwei Kandidaten durfte ich mir schon anschauen. Der Anonymisierung wegen heißen sie X und Y. Als X vor ein paar Tagen vor der Tür stand, war mir schon nach dem Bruchteil einer Sekunde klar: NEIN! Wer sich mit einer Flasche Aftershave überschüttet, das nicht mal mein Opa angerührt hätte, der isst bestimmt auch Innereien. Da ich aber höflich, manche mögen es auch konfliktscheu nennen, bin, hab ich noch ein Pseudogespräch geführt und habe innerhalb von 10 Minuten mehr über X erfahren, als ich in 2 Jahren über gute Freunde. Mutter tot, was er verdient, dass er immer Rotwein, Wodka und Gin im Haus haben muss und andere Sachen, die ich gar nicht wissen wollte. Am unangenehmsten war der Moment, als er gerade gehen wollte und sah, dass sein Wasserglas noch zu einem Drittel gefüllt war. Das stürzte er dann wortlos hinunter als gäbs kein morgen, während ich fassungslos danebenstand und diese Sekunden mir wie Stunden vorkamen. Ich hab mit fadenscheinigen Argumenten abgesagt -- per SMS, wie eine Fünfzehnjährige! Da half auch die tote Mutter nichts. Y hingegen ist ein arisches Vorzeigemodell: Blond, stahlblaue Augen und geht nach eigener Aussage jeden Tag trainieren und hat mindestens zwei Fahrräder, die so teuer sind, dass er sicherlich am liebsten per Selbstschussanlage im verschlossenen Kellerkabuff schützen würde. Zu bemängeln hatte er das Fehlen einer Spülmaschine (hochgezogene Augenbraue 1) und dass die Waschmaschine sich innerhalb der Wohnung (hochgezogene Augenbraue 2 befindet. Meine Argumentation, dass ich gar nicht wüßte, ob sich im Keller ein dementsprechender Wasseranschluss befände und dass ich es ganz angenehm fände, nicht vier Stockwerke laufen zu müssen, um Wäsche rein- und rauszuladen, kommte er nicht nachvollziehen (hochgezogene Augenbraue 3) -- ist ja auch klar, als Sportler! Auch das Fehlen eines Putzplanes (hochgezogene Augenbraue 4) und die schiefe Lampe über dem Badezimmerspiegel (Braue 5) würde er mir sicherlich auch wenn er nicht hier einzieht, erarbeiten und ins Wasser schrauben. Y war zwar so ganz nett, aber allein seine Schuhe und der für einen Typen mit der Statur schlaffe, weil kaum vorhandene Händedruck, haben ihn “dismissed”. Er bekommt eine Absage, ich berufe mich auf mein Bauchgefühl und so, und verfalle dann wieder in Lethargie. Und ganz zusammenhanglos, möchte ich euch das mitgeben:

Twilight Moms

45687142

Stimmt auffallend.

Star Trek 2009 A-Team

Also, ich bin Fan:

Neue AGB bei Audible

Audible.de passt seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen an und offenbart dabei die fundamentale Problematik mit DRM-Systemen:

Sie können den neuen AGB innerhalb von einem (1) Monat nach Zugang dieser E-Mail widersprechen. Setzen Sie das Vertragsverhältnis nach Ablauf der Monatsfrist ohne Widerspruch fort, akzeptieren Sie damit automatisch die neuen AGB.

Da Sie kein Abo bei uns haben, bedeutet ein Widerspruch in Ihrem Fall, dass wir Ihre Daten und somit auch Ihr Konto bei uns löschen. Bitte beachten Sie, dass Sie in diesem Fall keinen Zugriff mehr auf Ihre Bibliothek und Ihre Hörbücher haben.

Das bedeutet also: ein Konsument, der bei Audible Hörbücher online gekauft hat, kann bei Widerspruch gegen die einseitig geänderten AGB nicht mehr auf sein Eigentum zugreifen. Auch nicht auf die Ware, die noch zu den alten AGB erstanden wurde. Immerhin teilt Audible das Ganze unmissverständlich mit.

Tipp: Hörbücher auf CD bei Amazon kaufen und selbst einlesen. Die Vorteile sind bessere Tonqualität, die Möglichkeit zum Wiederverkauf und meistens auch ein günstigerer Preis – kaum zu glauben, weil es sich um ein physikalisches Produkt plus Versandkosten handelt.

Bildungsstreik und Menschenrechte

friedrich-wilhelm-gymnasium

Heute habe ich einen Artikel bei taz.de über die Studenten- und Schülerproteste gelesen. Das Thema wird umfassend diskutiert und berichtet, das soll auch gar nicht Thema sein. Aufgefallen ist mir jedoch folgender Ausschnitt:

In Jena […]
Etliche SchülerInnen wurden an der Teilnahme gehindert: In einigen Gymnasien, u.a. das Reichwein-Gymnasium, wurden sie einfach eingeschlossen.

Und dann noch der hier:

Der Rektor des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Köln wollte nicht, dass seine SchülerInnen an der Demo teilnehmen. Deswegen hat er die Schule abgeschlossen. Wer trotzdem nicht zum Unterricht kam, bekam einen unentschuldigten Fehltag.

Ich habe zu meiner Schulzeit schon einige Klopper an Kompetenzübertretung und Willkürherrschaft bei Lehrern und (Di)rektoren miterlebt, gibt es jetzt aber gar kein Maß mehr? Der Fehltag ist zweifelsohne Interpretationsspielraum, das Einsperren der Schüler in der Schule nicht. Es muss Schülern freistehen, sich jederzeit frei zu bewegen – auch wenn das nachteilige Konsequenzen für den Betreffenden haben kann – sofern dieser um die Konsequenzen weiß. So funktioniert ein Rechtsstaat: durch Einsicht, nicht mit dem Knüppel. Es ist abartig, wenn eigentliche Respektspersonen durch solch repressive Methoden ihre Hilflosigkeit demonstrieren, mit der aktuellen Jugend nicht mehr kommunizieren zu können oder wollen.

Ich hätte als mit einem Mobiltelefon ausgestatteter Schüler die Polizei gerufen. Wegen Freiheitsberaubung. Auch auf die Gefahr hin, dass ich nicht ernst genommen würde. Davor werden die meisten allerdings Angst gehabt haben – mit einem wild gewordenen Schulleiter ist nicht zu spaßen. Das Lehrerkollegium kann einem Schüler das Leben zur Hölle machen. Mich interessiert, ob es Widerstand in der Schule gab und, falls ja, wie dieser aussah.

Immerhin haben die Schüler so gleich eine Lektion fürs Leben gelernt: wer die Fresse hält kommt weiter.

(Originalfoto von bilderbuch-koeln.de)

Paolo Giordano – Die Einsamkeit der Primzahlen

So schlimm es auch ist, aber meist sind die unglücklichen Liebesgeschichten, in denen es einfach nicht sein soll, die schönsten. Wenn dann auch noch eine Knallermetapher ohne jeglichen Schleim und Figuren, die authentisch und nicht überperfekt sind dazukommen, dann hat man vielleicht “Die Einsamkeit der Primzahlen” von Paolo Giordano vor sich. Kurz zur Geschichte: Alice und Mattia sind Außenseiter; jeder auf seine ganz eigene Art und Weise. Mattia verbirgt ein Geschichte aus seiner Kindheit, die ihn sein ganzes Leben verfolgen und beeinflußen wird. Auch Alice hat Traumatisches in ihrer Kindheit erlebt, was dafür sorgt, dass sie sich von ihrer Familie immer weiter entfernt und auch von ihrem Körper – sie wird magersüchtig. Durch einen Zufall lernen sich die beiden kennen, werden Freunde, aber nie mehr: obwohl sie füreinander geschaffen sind, was der Leser definitiv weiß, während es die beiden nur erahnen. Sie scheitern auf voller Linie, an gesellschaftlichen Konventionen, der eigenen Angst, Mißverständnissen und vielleicht auch am Leben selbst. Da gibt es nur diesen einen Kuss, der ihnen immer im Gedächtnis bleiben wird, weil er einen Geschmack auf das gab, was da hätte sein können.

Dieses hochtragische Scheitern beschreibt Giordano in einer sehr einfach gehaltenen Sprache ohne großen Schnickschnack, verkommt dabei aber nicht zum banalen Abhaken von Lebensgeschichten und platter Figurenkonstruktion. Eher scheint es mir so, als ob er durch diese Sprache die Figuren noch mehr zum Leben erweckt, weil er näher dran ist. Alice und Mattias Probleme sind vielschichtig und Giordano übernimmt überhaupt nicht den Versuch sie bis ins letzte aufzudröseln und aufzuschlüsseln. Das würde auch niemandem gelingen, denn Verhaltensmuster und Lebenswege sind von so vielen Faktoren beeinflußt, dass man nie aufmachen könnte, welcher jetzt für was verantwortlich ist. Trotzdem begreift man die Figuren. Nachvollziehen kann man ja oftmals das eigene Verhalten nicht, wie sollte man dann das von Romanfiguren?

Am schönsten ist aber die Stelle, die den Titel erklärt, in der es also um Primzahlenen geht. Es gibt aber in der Mathematik ein spezielles Phänomen die Primzahlzwillinge:

“Paare von Primzahlen, die nebeneinander stehen oder genauer, fast nebeneinadner, denn zwischen ihnen befindet sich immer noch eine gerade Zahl, die behindert, dass sie sich tatsächlich berühren. Zahlen wie 11 und 13, wie 17 und 19 oder 41 und 43. Bringt man die Geduld auf, weiter und weiter zu zählen, stellt man fest, dass solche Pärcehn immer seltener werden. Man stößt auf immer weniger Primzahlen [...] und es beschleicht einen das Gefühl, dass die Pärchen, die einem bis dahin begegnet sind, rein zufällig zusammenstanden und das es ihr eigentliches Schicksal ist allein zu bleiben. Aber dann wenn man schon aufgegeben hat und nicht mehr weiterzählen will, stößt man aufein weiteres Pärchen von Zwillingen, die sich eng umschlungen, aneinander festhalten. Mathematiker sind davon überzeugt, dass man egal wie weit man fortschreitet, immer wieder solchen Zwillingen begegnen wird, obwohl niemand sagen kann, wo sie stecken, bis man sie tatsächlich gefunden hat.”

Das ist eine so wunderbare, klare und schnörkellose Metapher für die Situation, in der Mattia und Alice stecken und die unerfüllte Liebe als solches.

Armin Gessert ist tot

giana

Das habe ich erst jetzt mitbekommen: Armin Gessert, Chef von Spellbound Entertainment ist am 9. November einem Herzinfakt erlegen. Viele kennen ihn wahrscheinlich von seiner Zeit bei Rainbow Arts als Schaffer der legendären “Giana Sisters”. Die gesamte Mitteilung von Spellbound findet ihr hier.

Mathias Döpfner und die Realität

Nach geraumer Zeit der Abstinenz (und reichlich verwirrenden Dingen im Echten Leben™) melde ich mich wieder mit gewohnt herzerfrischenden Neuigkeiten aus der Welt der Rechtschaffenden und Guten.

Herr Döpfer, seines Zeichens nach Chef des Springer-Konzerns und weithin bekannt für seine feinsinnig differenzierte Analytik, lässt mal wieder einen vom Stapel. So wie auch schon Kollege Burda wettert er ja nun bereits seit ungezählten Monden über die hochproblematische und irgendwie auch selbstverschuldete Situation des kostenfreien Online-Contents in der deutschen Presselandschaft. Für die zwei Leute, die das vielleicht noch nicht mitbekommen haben, eine kurze Zusammenfassung.

Weil praktisch die gesamte Printausgabe zeitgleich kostenfrei online verfügbar ist, hat man Angst, die Leser könnten das tatsächlich merken und aufhören, für die Printausgabe zu zahlen. Beziehungsweise ist das bereits passiert. Das war so lange egal, wie man den Leser a) für dumm verkaufen und b) den Hals nicht voll genug kriegen konnte – wollte man doch an diesem neuen Trend, dem “Internet” teilnehmen und mit gießkannenartiger Werbeplatzierung zusätzlich zum bestehenden Papiergeschäft kassieren. Klingt selbstverständlich absolut einleuchtend. Wobei “b)” potenziell noch immer unverändert bleibt, wurde mittlerweile trotz massiver interner Widerstände gegen besseren Wissens begriffen, dass eine neue und technikaffine Generation nachgewachsen ist, die dieses “Internet” als primäre Informationsquelle nutzt. Also in kurz: weil die Kohle nicht fließt wie gewünscht ist der Leser schuld. Ob es da – wie in der Musik- und Filmindustrie – eine komplexere Verkettung vielschichtiger Faktoren und letztlich auch der Qualität gibt, wird – wie in der Musik- und Filmindustrie – lieber mal nicht diskutiert.

Apropos Qualität: Herr Döpfner ist auch ganz weit vorne, auf die Notwendigkeit von so genanntem “Qualitätsjournalismus” hinzuweisen. Eine solide Demokratie ohne Eliten und Machtzentren, Privatagendas und Zensurbestrebungen braucht eben ein Kontrollorgan um sicherzustellen, dass es auch so bleibt. Anders als sein Kollege Hubert Burda lehnt er eine staatliche Subvention jedoch ab. Burda sieht das nicht so: notfalls soll die Politik eben eine Mediensteuer einführen, die den Qualitätsmedien zu Gute kommt. Stimmt, gute Berichterstattung ist notwendig. Was wäre die deutsche Presselandschaft nur ohne “Bunte”, “Freizeit Revue”, “InStyle”, “Super Illu” und “Lisa”. Schon interessant, wie die einstig glühenden Verfechter der Marktwirtschaft nach staatlicher Marktregulierung schreien wenn man die eigenen Kunden nicht mehr versteht und damit Penthouse wie Porsche bedroht sind. Es ist zwar unstrittig, dass es immer noch ganze Jahrgänge heruntergesendeter Multitainmentzombies in permanentem Nahtodstadium gibt, aber Vorsorge ist besser als gar kein Porsche.

Das Thema war aber die Ankündigung von Herrn Döpfner in einem FAZ-Interview, zukünftig Bezahlcontent für so genannte “Smartphones” anzubieten. Ziel ist wie so oft mittlerweile das iPhone. Denn, so Herr Döpfner:

[…] die Zahlungsbereitschaft ist gerade bei Mobilfunkkunden, insbesondere bei Besitzern des iPhones, groß.

Na, da bin ich aber gespannt. Die meisten iPhone-User die ich kenne und durch meinen Job (im Apple-Umfeld) kennenlerne sind in erster Linie an kostenfreien Applikationen und Inhalten interessiert. Selbst einem erklärten Twitter-Addict sind die 2,39 EUR für einen vernünftigen Client dann doch zu viel. Ganz nebenbei sind es nicht Konsumenten der Springer-Presse – meinen Vater und Computerbild mal außen vor gelassen. Das gesamtdeutsche Bild sieht da trotzdem wahrscheinlich anders aus.

In einer Nachfrage von DWDL.de liest sich folgende Passage:

Auf Nachfrage des Medienmagazins DWDL.de bestätigte ein Springer-Sprecher am Donnerstagnachmittag, dass sich mit Erscheinen der neuen Bezahl-Applikation die regulären Internet-Angebote von “Bild” und “Welt” mit dem iPhone nicht mehr ansteuern lassen werden. Für andere Smartphones, zum Beispiel der Hersteller Nokia und Blackberry, gelte diese Beschränkung nicht, so lange es noch keine entsprechende Anwendung gebe. Eine Diskriminierung von Apple-Nutzern, die die Inhalte von “bild.de” und “welt.de” künftig kostenlos nur noch per Laptop oder über einen stationären Rechner lesen können, sieht man darin nicht.

Ich weiß jetzt wirklich nicht, ob ich nur noch lachen soll oder ob dies der wichtigste Schachzug der etablierten Presse gegen die neue digitale Welt ist. Ich tippe auf Lachen. Der Zugriff soll nämlich nur für iPhones gesperrt werden. Köstlich.

Ich prophezeie eines der folgenden Szenarien oder eine Mischung aus diesen:

  1. 3 Minuten nach der offiziellen Sperrung von Mobile Safari (dem Webbrowser vom iPhone) geht eine Proxy-Seite live, die “bild.de” und “welt.de” vorgaukelt, ein Blackberry oder Nokia zu sein. Zuerst gibt es diese in Deutschland, wird aber per Abmahnung kurzfristig ausgeschaltet. 1 Minute nachdem die Abmahnung öffentlich wird gibt es die gleiche Proxy-Seite in Russland, Japan, Cuba, Luxemburg und Togo.
  2. Es wird eine Webapplikation ähnlich Instapaper erstellt, die aber alle Artikel automatisch cached. Internationale Verortung sieht Punkt 1.
  3. Potenzielle Leser benutzen Instapaper oder Read It Later um die Inhalte auf dem Laptop zu sichern und auf das iPhone zu übertragen. Dabei stellen sie fest, dass sie keine Werbung sehen und die Artikel viel schneller laden.
  4. Sie fühlen sich von Springer hintergangen und fangen an, die Konkurrenz zu lesen. Dabei stellen sie fest, dass die Konkurrenz nicht das iPhone blockt und gleichzeitig höhere Qualität liefert.
  5. Die BILD.DE IPHONE APP (die Großbuchstaben sind Absicht) für 7,99 EUR inkl. 30 Tagen Nutzung der Premium-Inhalte (danach per In-App-Kauf 9,99 EUR/Monat) verkauft sich genau 150-mal. Damit sind noch nicht einmal die Entwicklungskosten gedeckt.
  6. Die Leser bleiben bei der Papierausgabe und checken online nur via Computer.

Ich kann mich natürlich auch irren und sie machen vieles richtig: eine vollintegrierte Applikation mit einstellbaren Interessenbereichen, Premium-Video, Notifications nach vorgegebenen Kriterien, null Werbung, Zugriff auf komplett durchsuchbares Archiv, Cross-Referencing, Download der Artikel zum Offline-Lesen und noch etliches mehr. Eine wirkliche Applikation eben und nicht nur ein Gateway mit Bezahlfunktion. Dann würde das einen wirklichen Mehrwert bieten und sogar zur mobilen Recherche taugen.

Da gibt es nur noch ein klitzekleines Problem: das braucht und will weder die Zielgruppe von “bild.de” noch von “welt.de”.

Axel Simon – Tatütata für Peter Sputnik

Axel Simons Roman “Tatütata für Peter Sputnik” läßt dem Titel nach ein Kinderbilderbuch erwarten, beschäftigt sich aber mit einem der Lieblingsthemen der Literatur überhaupt: der Suche des Protagonisten nach sich selbst. Dieser ist der auch schon im Titel vorkommende Peter Sputnik. Sputnik ist Busfahrer und ein sehr besonnener, gemütlicher Typ. Er fühlt sich wohl in der Kleinstadt, in der er lebt, findet es total okay jeden Tag die gleiche Route in seinem „2er“, also der Buslinie, abzuzockeln. Jeden Tag steigen die gleichen Leute ein und aus und nie passiert irgendwas überraschendes. Sein ganzer Stolz, neben seinen Bus, den er in- und auswendig kennt, ist, dass er so sanft bremsen kann, dass man es kaum bemerkt. Jeden Abend nach der Arbeit zieht Sputnik seine Abendwindjacke an. Die sieht genauso aus, wie die, die er tagsüber trägt, hat bloß eine andere Farbe. Dann geht er noch einen Krokanteisbecher in der Eisdiele essen. Das macht er nicht nur, weil es ihm so gut schmeckt, sondern auch weil Frollein Gitti da arbeitet – Peter Sputniks Schwärmerei. Jeden Abend will er ihr das auch sagen, traut sich aber nie. Was nach Kleinstadtlangeweile klingt, bekommt einen ganz eigenen Drive, als der Leser erfährt, dass Sputnik nicht nur ein schnöder Busfahrer ist, sondern eigentlich Superheld. Kann fliegen, ist stark und kann super Probleme lösen und Leute besiegen, die die Welt zerstören wollen. Er hat bloß keine Lust dazu. Das ist aber nicht wirklich angebracht, denn der böse „V“ will die Welt zerstören und die einzige Hoffnung der Mächtigen ist eben Peter Sputnik. Der wehrt sich aber mit Händen und Füßen, verweist an andere fähige Helden und setzt die Bittsteller vor die Tür. Dann kommt der Zufall bzw. der dramaturgische Kunstgriff ins Spiel: Peter Sputnik verliert seinen Job und auch Frollein Gitti, denn er hat sich dann doch getraut und ihr seine Gefühle gestanden und sie weist ihn ab. Dann macht Peter Sputnik sich auf in den Kampf gegen “V”. Dabei lernt viele neue Menschen kennen, die sehr wichtig in seinem Leben werden. Da ist zum Beispiel der Kunstdieb Seidensprung, der auf der Flucht vor seinen Auftraggebern ist, Charlie die einarmige Pilotin und die Forscherin Brenda Meaks. Sputnik muss lernen sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden und dass er die Steine, die er ins Rollen gebracht hat, nicht ganz so sanft abbremsen kann, wie seinen Bus.

Zu Beginn zieht sich die Geschichte um Peter Sputnik. Das ist aber durchaus gewollt, denn so bekommt man als Leser ein Gefühl für die Geschwindigkeit in Sputniks Kleinstadt, lernt ihn besser kennen. Außerdem werden diese Kapitel immer wieder gebrochen von den Kapiteln, die im “Zentrum der Macht” spielen und in der die Gefahr, die “V” für die Menschheit bedeutet, erklärt wird. Dann dreht das Buch voll auf und es geht Schlag auf Schlag mit den obskuren Ideen und der Handlung. Meine Lieblingsfigur übrigens Hartmann – ein Huhn – das unsterblich in Charlie, verliebt ist und total auf Jazz steht und immer mit den Füßen und den Krallen Jazzschlagzeugrhythmen trommelt. Tolle Idee! Man muss auf überdrehte und total abstruse Ideen stehen, sich ein bißchen reinfuchsen und dann wird man das Buch lieben. Versprochen!

Doch weiter selbst denken

Ich komm vor lauter Aufregen zu nichts. Wie ich bei der Mädchenmannschaft las, gibt es jetzt einen Browser speziell für Frauen. Die Chefredakteurin des verantwortlichen Portals Lisa Feldmann hat im Schweizer Tagesanzeiger über die Gründe gesprochen und das Argument für den Frauenbrowser finde ich bemerkenswert:

«Aus denselben Gründen, aus denen es Frauenzeitschriften gibt. Frauen nutzen Medien einfach anders als Männer, interessieren sich für andere Bereiche, verweilen länger, lesen sogar grössere Artikel ohne Probleme», sagt Lisa Feldmann, Chefredaktorin der «annabelle».

Jetzt nennt mich kleinlich, aber klar ist es durchaus legitim zu behaupten Männer und Frauen interessierten sich für unterschiedliche Inhalte, aber trotzalledem ist die Form, das Gefäß oder einfacher gesagt das Medium, sprich die Zeitschrift oder der Browser doch gleich?!?

Gerne würde ich noch ausführlicher über den Supi-Browser sprechen, aber installieren ist komischerweise bei mir nicht drin, trotz Nicht-Macs. Aber ich finde die Kommentare sagen schon alles.

Trotzdem finde ich es schade, dass ich mich jetzt nicht in ganz einfach und bestimmt auch mit ein wenig Glitzer über meine Lieblingsfrauenthemen informieren kann. Muss ich doch selbst denken. Doof das.