Tom Liehr – Pauschaltourist

von Sandra

Protagonist Nikolas arbeitet in einem Verlag für Reisezeitungen. Eigentlich kann er mehr, er darf sich aber nur Kreuzworträtsel ausdenken und auf der Bürofeier Champagner ausschenken. In seiner Beziehung läuft es auch nicht mehr ganz rund, oder besser gesagt: Es läuft so vor sich hin, was ja meist viel schlimmer ist. Ergebnis: Frustration. Irgendwann fasst er sich auf einer Redaktionskonferenz ein Herz und merkt an, das Magazin solle sich doch mehr auf die Zielgruppe fixieren, die man im Moment noch nicht erreicht: den Großteil der Deutschen, die im es sich im Urlaub auch mal so richtig gemütlich machen und sich um nichts kümmern will – die Pauschaltouristen. Chef schaut erst verdutzt und dann begeistert und ernennt Nikolas zu dem Redakteur, der innerhalb weniger Wochen mehrer Länder bereisen und verdeckt Cluburlaub mit all inclusive testen soll. Mit dabei: Nina, die Hasskollegin Nikolas, die passenderweise auch noch Flugangst hat.

Bis hierher klingt das alles sehr pauschal, vorhersehbar und gähn, aber so wie mein Satz anfängt, kann man sich denken, dass ein ABER kommt. Denn das Buch ist trotz der Geschichte, die schon tausend Mal gehört und erzählt wurde, so verdammt lustig, dass ich mehrmals laut lachen musste. Besonders an dieser Stelle:

“Die Karten waren in einem Kindergartendeutsch verfasst, also offenbar aus dem Spanischen ins Englische und von dort ins Deutsche übersetzt worden, und zwar von einem Menschen, der keine der drei Sprachen auch nur annähernd beherrschte. Wir amüsierten und fünf Minuten lang über den “Huchentucke”, was, wie wir vermuteten, von Kannibalen zubereitete, verängstigte Schwule sein mussten, bis Jens auf die Idee kam, dass damit nur “Hühnchenstücke” gemeint sein könnten, also Chicken Wings oder Frikassee.”

Überraschend ist das Buch im Verlauf seiner Geschichte durchaus nicht, dabei ist es aber unterhaltsam, was vor allem daran liegt, dass hier jedes Klischee über Deutsche im Urlaub angesprochen und erfüllt wird. Und man kann sich ja am besten darüber amüsieren, was man selbst nie machen würde: Handtüchter auf Liegen legen und so. Diesen Menschen möchte ich das uch schenken, oder zumindest das ausprobieren, was Nikolas und Nina machen – einfach die Handtücher zusammenrollen und weglegen und dann den Sturm der Empörung an sich abperlen lassen. Ach was freu ich mich auf meinen all inclusive-Urlaub.