Wenn du dich dann positiv entscheiden solltest
von Sandra
Ich könnte mir selbst einen Arschtritt verpassen: Einerseits für meine Lethargie und Unmut bezüglich Entscheidungen und Nachfragen, andererseits für mein Selbstbewußtsein, das, wenn es mal gebraucht wird, eine Staubwolke hinterläßt und sich verpisst, was bei meinem Gegenüber meist den Eindruck der Arroganz hinterläßt. Die beiden Sachen hängen aber nicht direkt zusammen und ich will erst mal nur über ersteres sprechen. Grundsituation ist folgende: Meine Mitbewohnerin will ausziehen, am liebsten in zwei Wochen. Warum? Frag doch noch mal nach, wenn ich mir keinen Tritt mehr wegen Grund eins verpassen will. Ich rede mir ein, dass es etwas mit der anderen “supergeilen” Wohnung zu tun hat. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Ich wohn gerne alleine. Nun will sie natürlich die 3 Monate Kündigungsfrist umgehen, bzw. die Zahlung einer doppelten Miete und schleppt irgendwelche potentiellen Nachmieter an, die ich dann begutachten muss. Jetzt ist die Entscheidung, wer mich demnächst mit ohne Make-Up und Grusel-aus-dem-Bett-Haaren sehen darf natürlich eine sensible und sollte wohl überlegt sein. Zwei Kandidaten durfte ich mir schon anschauen. Der Anonymisierung wegen heißen sie X und Y. Als X vor ein paar Tagen vor der Tür stand, war mir schon nach dem Bruchteil einer Sekunde klar: NEIN! Wer sich mit einer Flasche Aftershave überschüttet, das nicht mal mein Opa angerührt hätte, der isst bestimmt auch Innereien. Da ich aber höflich, manche mögen es auch konfliktscheu nennen, bin, hab ich noch ein Pseudogespräch geführt und habe innerhalb von 10 Minuten mehr über X erfahren, als ich in 2 Jahren über gute Freunde. Mutter tot, was er verdient, dass er immer Rotwein, Wodka und Gin im Haus haben muss und andere Sachen, die ich gar nicht wissen wollte. Am unangenehmsten war der Moment, als er gerade gehen wollte und sah, dass sein Wasserglas noch zu einem Drittel gefüllt war. Das stürzte er dann wortlos hinunter als gäbs kein morgen, während ich fassungslos danebenstand und diese Sekunden mir wie Stunden vorkamen. Ich hab mit fadenscheinigen Argumenten abgesagt -- per SMS, wie eine Fünfzehnjährige! Da half auch die tote Mutter nichts. Y hingegen ist ein arisches Vorzeigemodell: Blond, stahlblaue Augen und geht nach eigener Aussage jeden Tag trainieren und hat mindestens zwei Fahrräder, die so teuer sind, dass er sicherlich am liebsten per Selbstschussanlage im verschlossenen Kellerkabuff schützen würde. Zu bemängeln hatte er das Fehlen einer Spülmaschine (hochgezogene Augenbraue 1) und dass die Waschmaschine sich innerhalb der Wohnung (hochgezogene Augenbraue 2 befindet. Meine Argumentation, dass ich gar nicht wüßte, ob sich im Keller ein dementsprechender Wasseranschluss befände und dass ich es ganz angenehm fände, nicht vier Stockwerke laufen zu müssen, um Wäsche rein- und rauszuladen, kommte er nicht nachvollziehen (hochgezogene Augenbraue 3) -- ist ja auch klar, als Sportler! Auch das Fehlen eines Putzplanes (hochgezogene Augenbraue 4) und die schiefe Lampe über dem Badezimmerspiegel (Braue 5) würde er mir sicherlich auch wenn er nicht hier einzieht, erarbeiten und ins Wasser schrauben. Y war zwar so ganz nett, aber allein seine Schuhe und der für einen Typen mit der Statur schlaffe, weil kaum vorhandene Händedruck, haben ihn “dismissed”. Er bekommt eine Absage, ich berufe mich auf mein Bauchgefühl und so, und verfalle dann wieder in Lethargie. Und ganz zusammenhanglos, möchte ich euch das mitgeben: