Axel Simon – Tatütata für Peter Sputnik
von Sandra
Axel Simons Roman “Tatütata für Peter Sputnik” läßt dem Titel nach ein Kinderbilderbuch erwarten, beschäftigt sich aber mit einem der Lieblingsthemen der Literatur überhaupt: der Suche des Protagonisten nach sich selbst. Dieser ist der auch schon im Titel vorkommende Peter Sputnik. Sputnik ist Busfahrer und ein sehr besonnener, gemütlicher Typ. Er fühlt sich wohl in der Kleinstadt, in der er lebt, findet es total okay jeden Tag die gleiche Route in seinem „2er“, also der Buslinie, abzuzockeln. Jeden Tag steigen die gleichen Leute ein und aus und nie passiert irgendwas überraschendes. Sein ganzer Stolz, neben seinen Bus, den er in- und auswendig kennt, ist, dass er so sanft bremsen kann, dass man es kaum bemerkt. Jeden Abend nach der Arbeit zieht Sputnik seine Abendwindjacke an. Die sieht genauso aus, wie die, die er tagsüber trägt, hat bloß eine andere Farbe. Dann geht er noch einen Krokanteisbecher in der Eisdiele essen. Das macht er nicht nur, weil es ihm so gut schmeckt, sondern auch weil Frollein Gitti da arbeitet – Peter Sputniks Schwärmerei. Jeden Abend will er ihr das auch sagen, traut sich aber nie. Was nach Kleinstadtlangeweile klingt, bekommt einen ganz eigenen Drive, als der Leser erfährt, dass Sputnik nicht nur ein schnöder Busfahrer ist, sondern eigentlich Superheld. Kann fliegen, ist stark und kann super Probleme lösen und Leute besiegen, die die Welt zerstören wollen. Er hat bloß keine Lust dazu. Das ist aber nicht wirklich angebracht, denn der böse „V“ will die Welt zerstören und die einzige Hoffnung der Mächtigen ist eben Peter Sputnik. Der wehrt sich aber mit Händen und Füßen, verweist an andere fähige Helden und setzt die Bittsteller vor die Tür. Dann kommt der Zufall bzw. der dramaturgische Kunstgriff ins Spiel: Peter Sputnik verliert seinen Job und auch Frollein Gitti, denn er hat sich dann doch getraut und ihr seine Gefühle gestanden und sie weist ihn ab. Dann macht Peter Sputnik sich auf in den Kampf gegen “V”. Dabei lernt viele neue Menschen kennen, die sehr wichtig in seinem Leben werden. Da ist zum Beispiel der Kunstdieb Seidensprung, der auf der Flucht vor seinen Auftraggebern ist, Charlie die einarmige Pilotin und die Forscherin Brenda Meaks. Sputnik muss lernen sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden und dass er die Steine, die er ins Rollen gebracht hat, nicht ganz so sanft abbremsen kann, wie seinen Bus.
Zu Beginn zieht sich die Geschichte um Peter Sputnik. Das ist aber durchaus gewollt, denn so bekommt man als Leser ein Gefühl für die Geschwindigkeit in Sputniks Kleinstadt, lernt ihn besser kennen. Außerdem werden diese Kapitel immer wieder gebrochen von den Kapiteln, die im “Zentrum der Macht” spielen und in der die Gefahr, die “V” für die Menschheit bedeutet, erklärt wird. Dann dreht das Buch voll auf und es geht Schlag auf Schlag mit den obskuren Ideen und der Handlung. Meine Lieblingsfigur übrigens Hartmann – ein Huhn – das unsterblich in Charlie, verliebt ist und total auf Jazz steht und immer mit den Füßen und den Krallen Jazzschlagzeugrhythmen trommelt. Tolle Idee! Man muss auf überdrehte und total abstruse Ideen stehen, sich ein bißchen reinfuchsen und dann wird man das Buch lieben. Versprochen!