Zwangsabgabe auf Computer vs. “Qualitätsjournalismus”
von Marcel
Wenn’s nicht läuft, müssen Gründe dafür her. Denn schließlich wollen Anteilseigner wissen, wo ihr Geld bleibt und die Öffentlichkeit wissen, warum Jobs sterben. Doch anstelle offen und ehrlich mit der Situation umzugehen, wird seit Beginn der Zivilisation nach alternativen Erklärungen gesucht. Irgendwer oder -was wird schon Schuld daran sein, warum es nicht mehr so läuft wie gewünscht. Anstelle sich selbst an die Nase zu fassen, werden schnell Sündenböcke identifiziert – um vom eigentlichen Problem abzulenken.
Der Springer-Konzern hat sich da aktuell in die vorderste Reihe katapultiert. In Form von Peter Würtenberger, Chief Marketing Officer, lies er vermelden, zukünftig zur GEZ eine weitere Abgabe kassieren zu wollen. Quasi als Entschädigung für all die unerlaubte Nutzung ihrer Presse-Erzeugnisse im Internet. Er steht damit nicht alleine. Auch Hubert Burda meldete sich lautstark zu Wort. Der Grad an Realitätsentfremdung lässt sich erahnen, wenn dort zu lesen ist:
Wer also die Rechte der Kreativen im Netz wahren will, wer seine E-Commerce-Modelle davor schützen möchte, dass Suchmaschinen durch Plazierung entsprechender Suchergebnisse unserer Angebote umgehen, der steht vor weit größeren Aufgaben und hat den Bogen seiner Rechte deutlich weiter zu spannen. Dazu zählen: das Recht, im Netz von den Suchmaschinen nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien gefunden zu werden. Das Recht, an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren.
Das Problem, lieber Herr Burda, sind nicht die Suchmaschinen. Das ist eine technische Fragestellung. Falls Sie es verpasst haben sollten, schicken Sie Ihrer IT-Abteilung mal diesen Link. Da wird von Google höchstselbst erklärt:
Preventing access to a file
If you have a news article on your site that is only accessible by registered users, you’ll want it excluded from Google’s results. To do this, simply add a META tag into the html file, so it starts something like:
<html>
<head>
<meta name="googlebot" content="noindex">
...
This stops Google from indexing this file. META tags are particularly useful if you have permission to edit the individual files but not the site-wide robots.txt. They also allow you to specify complex access-control policies on a page-by-page basis.
So, damit wäre das Thema technisch erschlagen. Eine Zeile HTML-Code ist alles, was es braucht, damit eine ganze Struktur nicht mehr von Google indexiert wird. Für weitere Suchmaschinen ist das Procedere ähnlich. Damit ist klar, dass es sich nicht um eine technische Fragestellung handelt, denn die wäre bereits umgesetzt worden. Ich unterstelle den IT-Abteilungen bei den Verlagen jetzt einfach mal die notwendige Kompetenz und den entsprechenden CIOs die Möglichkeiten zur Einflussnahme.
Was bleibt ist also eigentlich die bittere Erkenntnis, es selbst versaut zu haben, es zu spät ist, die Uhr zurück zu drehen und schnellstmöglich Konsequenzen daraus zu ziehen. In Form modernerer Strukturen und dem Abliefern von dem so häufig beschworenen Qualitätsjournalismus. Der Rest kommt von alleine. Versprochen.